Lost in Life

A ship at harbour is safe, but that's not what ships are for.
 
 

Entlassung

Fast eine Woche ist es her, seit ich entlassen wurde. Fast eine Woche war ich drin. Von Montagabend bis Freitagmorgen. Es war schlimm. Aber es war nun mal "die Geschlossene". In der ersten Nacht musste ich auf einer Matraze im Gang schlafen, weil mich die Betreuer so besser überwachen konnten. Überwacht wurde man eh fast die ganze Zeit. Aber ich will nicht alles schlecht reden. Ich habe Menschen kennengelernt. Andere Menschen. Mit anderen Schicksalen. Und ich war abgeschnitten. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt war weg. Als wäre man komplett aus dem Leben gerissen. Und es gibt noch etwas, was ich in der Klinik gelernt habe. Die Zeit vergeht langsamer. Viel langsamer. Die Tage haben sich auch wirklich mal wieder wie Tage angefühlt. Nicht nur wie Stunden.

Besser geht es mir trotzdem nicht. Ich habe mehrmals überlegt mich nicht einfach Nachts im Kissen zu ersticken. Einmal war ich kurz davor. Hatte meinen Kopf schon im Kissen und die Luft wurde schon bedenklich knapper. Aber dann kam ein Betreuer rein und ich musste so tun als würde ich schlafen. Gutes oder schlechtes Timing? Jedenfalls habe ich es dann nicht nochmal versucht. Dann habe ich überlegt mich in der Dusche zu erhängen. Aber den Anblick wollte ich den anderen ersparen. 

Ich weiß im Moment nicht mehr was ich noch machen soll. Irgendwie ist es so viel und doch so leer in mir drinnen das es unmöglich ist das zu beschreiben. Und wie soll ich den Lehrern in der Schule erklären, dass ich fürs Lernen keine Zeit hatte, weil in meinem Kopf jede Minute Suizidgedanken hochkommen? Wie soll ich überhaupt irgendjemand irgendwas erklären? Wie soll ich über die Zukunft reden und Pläne machen, wenn ich nicht mal weiß, ob ich nächste Woche noch lebe. Ob ich morgen noch lebe.

4 Kommentare 12.5.16 22:16, kommentieren

Einweisung in die Kinder-und Jugendpsychatrie Weinsberg. Na Super. Keine Ahnung wann ich wieder was schreiben kann. Wir fahren da jetzt hin...

2.5.16 17:54, kommentieren

Diagnose: mittelschwere bis schwere Depression. Antidepressiva. 2 mal täglich. Therapeuten. Ich bin kaputt.

2 Kommentare 25.4.16 15:49, kommentieren

Ich habe es nicht geschafft. Nicht, weil ich nicht wollte. Aber es waren Menschen da. Jetzt muss ich wieder überlegen. Wenigstens hat es keiner mitbekommen. Aber dafür muss ich später schon wieder zum Arzt. Er will mich vielleicht in Weinsberg einweisen. Aber das geht nicht. Auf gar keinen Fall. Und deshalb darf niemand das von vorhin mitbekommen.

4.4.16 10:38, kommentieren

Okay. Hier ist er also. Der Tag. Die Entscheidung habe ich eigentlich schon viel früher, als erst am Freitag getroffen. Suizid war für mich immer eine Option. Eine Option, die ich jetzt wähle.

4.4.16 10:01, kommentieren